„[F]ür die Ewigkeit fixiert, festgehalten bis zum Tod”? Zu einem scheinbaren Wandel im Geschichts- und Erinnerungsverständnis von Christoph Hein im Roman ‘Trutz’ (2017)

Richard Slipp (Calgary/Dessau) p.43-67

2021 Issue 1

Abstract

Christoph Heins 2017 erschienener Roman Trutz handelt vom tragischen Schicksal zweier Familien unter den extremen politischen Verhältnissen des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland und der Sowjetunion. Während auch in diesem Roman die anhaltende Beschäftigung Heins mit den Themen Erinnerung und Geschichte als zentrales Anliegen anzutreffen ist, scheint sich eine grundsätzlich neue Auffassung desAutors von den Funktionen und Möglichkeiten menschlichen Erinnerns abzuzeichnen. Im Beitrag wird argumentiert, dass im Text das scheinbare Postulat eines lückenlosen und uneingeschränkt zuverlässigen Gedächtnisses immer wieder durch die Thematisierung der Fiktionalität und Konstruiertheit der erzählten Erinnerungen narrativ unterminiert wird.