Issue 3/2020  -  ISSN 1470-9570

Sondernummer zum Thema: Mehrsprachigkeit – Transkulturalität − Identitäten
Gastherausgeber: Ewald Reuter, Tampere/Wolgograd

ARTICLES

Mehrsprachigkeit – Transkulturalität − Identitäten: Einleitung zum Themenschwerpunkt

Ewald Reuter, Tampere/Wolgagrad (pages 1-4)

Einleitung by Reuterview pdf (201kb)

Gemeinsame Anfänge. Zur Enkulturation in die Institution Universität und in akademische Lebenswelten - ein Erfahrungsbericht

Margret Selting, Potsdam (pages 5-17)

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Dieser Aufsatz ist eine persönlich-biographische Würdigung für Ewald Reuter, mit Fokus auf die Anfänge unserer gemeinsamen Entwicklung zum Sprachwissenschaftler bzw. zur Sprachwissen-schaftlerin im Rahmen des sozio-kulturellen Milieus der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft (LiLi-Fakultät) der Universität Bielefeld in den 1970iger Jahren.
This paper is a personal appreciation for my colleague Ewald Reuter. It focusses on the beginning of our shared biographical and scientific development to become linguists, within the socio-cultural environment of the Department of Linguistics and Literature (LiLi-Fakultät) at the Uni-versity of Bielefeld during the 1970s.

Rechtslinguistik in Finnland – Schritte in die Zukunft?

Emilia Lindroos, Helsinki (pages 18-34)

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Die relativ junge Wissenschaftsdisziplin Rechtslinguistik, die sich mit der Sprachlichkeit des Rechts und mit der Rechtssprache als Zugang zum Recht beschäftigt, ist in Finnland von den 1990er Jahren bis zum Jahr 2018 an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Lappland als Teil der Juristenausbildung unterrichtet worden. In diesem Beitrag werden der bisherige, ergiebige Weg der Rechtslinguistik als akademische Disziplin in Finnland geschildert und die durch die Lehre des Faches gewonnenen Einsichten thematisiert. Wegen der großen Bedeutung der Sprache im Recht und der Relevanz der Kommunikation für die juristische Arbeit plädiert der Beitrag dafür, in der universitären Lehre der Rechtswissenschaft den sprachlichen und kommunikativen Kompetenzen im Allgemeinen und der Rechtslinguistik im Besonderen den ihnen gebührenden Rang einzuräumen.
Law and language, or legal linguistics, is a relatively young academic discipline interested in the profoundly linguistic nature of law and in the many facets of legal language. In Finland, legal linguistics was taught in the Faculty of Law at the University of Lapland as part of legal education from the 1990s until 2018. Summarizing the developments in Finland, this article discusses the role of the discipline in legal education and sheds light on the insights gained from teaching legal linguistics to students of law. Due to the importance of language in law and the relevance of communication skills in legal practice, this article strives to promote language awareness and communication skills in general and legal linguistics in particular and to emphasize the need for their integration into the legal curriculum.

Mehrsprachigkeit an europäischen Hochschulen – oder: English only?

Uwe Koreik, Universität Bielefeld (pages 35-52)

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Wir haben uns von dem Ziel der Mehrsprachigkeit in Europa seit dem Europäischen Jahr der Sprachen (2001) zunehmend entfernt. Das gilt zumindest für die Sprache der Wissenschaft und auch die Studienangebote an den Hochschulen. Damit sind zahlreiche Gefahren verbunden, die Auswirkungen auf unsere Zukunft haben werden. Und genau dieser Themenkomplex soll hier beleuchtet und neuere Publikationen zum Thema erfasst werden.
Since the European Year of Languages (2001) we have increasingly moved away from the goal of multilingualism in Europe. This applies at least to the language of science and also to the courses of study at universities. This is associated with numerous dangers that will have an impact on our future. This article examines precisely this complex of issues and records recent publications on the subject.

Mehrsprachigkeit in Motorradmagazinen am Beispiel von Motorrad und Allt om MC

Mariann Skog-Södersved, Vaasa/Jyväskylä (pages 53-66)

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Im Beitrag wird anhand von Texten aus den Magazinen MOTORRAD und Allt om MC der Frage nachgegangen, inwiefern Mehrsprachigkeit in Motorradmagazinen festzustellen ist und um welche Sprachen es sich in dem Fall handelt. Weiter wird untersucht, ob Übersetzungen oder Erklärungen der fremdsprachigen Ausdrücke gegeben werden. Die Analyse ergibt, dass in beiden Magazinen mehrere Sprachen neben dem Deutschen bzw. Schwedischen vorkommen und dass das Englische eindeutig dominiert. Am zweithäufigsten kommen Belege aus dem Italienischen vor. Übersetzungen und Erklärungen des Fremdsprachigen sind in beiden Magazinen zu finden, jedoch scheinen in MOTORRAD häufiger Übersetzungen und in Allt om MC häufiger Erklärungen gegeben zu werden. Insgesamt sind die gefundenen Belege stark kontextabhängig.
This article deals with the incidence of multilingualism in the magazines MOTORRAD and Allt om MC and the question of which languages occur. It further examines whether translations or explanations of the foreign terms are given. The analysis shows that in both magazines several languages occur in addition to the German or Swedish of the magazine and that English features most prominently. The second most frequent foreign language found is Italian. Translations and explanations appear in both magazines, but it appears that MOTORRAD more frequently provides translations whereas Allt om MC inclines more to giving explanations. All in all the samples found are highly dependent on their respective contexts.

Herausforderungen in mehrsprachigen Situationen. Pilotstudie zu einem plurilingualen Kurs mit Englisch, Schwedisch und Deutsch

Joachim Schlabach, Turku (pages 67-85)

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Obwohl mehrsprachige Situationen in der internationalen Geschäftskommunikationen heute normal sind, gibt es bislang wenige Studien, die die Herausforderungen, die diese Situationen mit sich bringen, untersuchen. Zudem gibt es nur sehr wenige Sprachenlernangebote, die den Umgang mit solchen kommunikativen Herausforderungen behandeln und auf plurilinguale Kompetenz ausgerichtet sind. Die vorliegende Pilotstudie in einem plurilingualen Kurs zu Geschäftskommunikation mit den drei Zielsprachen Englisch, Schwedisch und Deutsch wird ein Gespräch von drei Studierenden in Hinblick auf plurilinguale Praktiken untersucht. Es kann gezeigt werden, dass die Studierenden die drei Sprachen mit unterschiedlichen Anteilen verwenden und dass es Unterschiede bei der Nutzung von plurilinguale Aktivitäten wie Sprachenwechsel und Codeswitching gibt. Unter Hinzuziehung von Hintergrundinformationen zu und von den Studierenden werden die Herausforderungen beschrieben. Die Ergebnisse bestätigen die Ergebnisse einer früheren Sprachenbedarfsanalyse und geben Hinweise auf Ansatz und Methode einer nachfolgenden Studie sowie zur Weiterentwicklung von plurilingualen Kursen.<
Although multilingual situations in international business communications are now considered normal, there have been very few studies which examine the challenges these situations involve. In addition, the language learning opportunities which deal with such communication challenges and focus on plurilingual competence are extremely limited. The present pilot study was conducted during a plurilingual course on business communication which used three target languages English, Swedish and German; the study examines a conversation between three students with regard to plurilingual practices. It shows that the students use the three languages in different proportions and that there are differences in the use of plurilingual activities such as language alternation and code switching. The challenges are described by including background information on the students and comments from them. The results corroborate the findings of a previous language needs analysis, provided insights into the approach and methodology used in a subsequent study, and offer suggestions for the further development of plurilingual courses.

Willkommen! Welcome! Mehrsprachigkeitsdidaktische Ansätze in finnischen Lehrbüchern für DaF-Unterricht an Hochschulen

Sabine Grasz, Universität Oulu (pages 86-107)

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In der vorliegenden Studie werden drei DaF-Lehrbücher, die im Anfängerunterricht an finnischen Hochschulen eingesetzt werden, untersucht. Im Mittelpunkt der Analyse stehen die Fragen, inwiefern die Lehrbücher auf mehrsprachigkeitsdidaktischen Prinzipien beruhen und wie auf die bereits vorhandenen Sprachenkenntnisse und Sprachlernerfahrungen der Lernenden konkret Rücksicht genommen wird. Auf der Basis von verschiedenen mehrsprachigkeitsdidaktischen Ansätzen und Theorien zum multiplen Sprachenlernen, die am Anfang des Beitrags skizziert werden, wurden für die Analyse folgende Kategorien gewählt: (1) Berücksichtigung prozeduraler Kenntnisse, (2) Berücksichtigung deklarativer Sprachenkenntnisse und (3) Translanguaging-Phänomene. Während es bei den ersten beiden Kategorien vorrangig um Transfer – sowohl auf der Strategien - als auch auf der Sprachsystemebene geht, wird im dritten Teil der Analyse untersucht, ob die Lehrbücher auf einem breiten Sprachenbegriff aufbauen, der zum Beispiel auch Sprachmischungsphänomene berücksichtigt. Insgesamt lässt sich aufgrund dieser Untersuchung feststellen, dass das Potential mehrsprachigkeitsdidaktischer Ansätze, nämlich einen leichteren, schnelleren und auch motivierenden Einstieg in eine weitere Fremdsprache mithilfe vorhandener Kenntnisse und Erfahrungen zu bieten, in diesen Lehrbüchern nur wenig ausgeschöpft wird. Es finden sich zwar punktuell Bezugnahmen auf früher erlernte Sprachen und auch einige interessante Darstellungen mehrsprachiger Praktiken, aber keine systematische Berücksichtigung der spezifischen Voraussetzungen erwachsener, mehrsprachiger Lernender.
The present study examines three German as a Foreign Language textbooks used in beginners’ classes at Finnish universities. The analysis focuses on two key questions: (1) to what extent are the textbooks based on principles of multilingual didactics; and (2) how the learners’ existing language skills and language-learning experiences are considered in concrete terms. Based on various approaches to and theories of multiple language learning outlined at the beginning of the paper, the following categories were chosen for the analysis: (1) consideration of procedural knowledge; (2) consideration of declarative knowledge; and (3) translanguaging phenomena. While the first two categories are primarily concerned with transfer – of learning strategies as well as at the level of language systems – the third part of the analysis examines whether textbooks are based on a broad concept of language that also takes into account, for example, language mixing phenomena. All in all, it can be concluded from this analysis that the potential of multilingual approaches – which effectively offer an easier, faster and motivating entree into a further foreign language with the help of existing knowledge and experience – is not fully exploited in these textbooks. Although there are occasional references to previously learned languages and also some interesting presentations of multilingual practices, there is no systematic consideration of the specific preconditions of adult multilingual learners.

„Glöggt er gest augað“, Scharf ist der Blick des Gastes. Die Isländer in den Augen deutschsprachiger Besucher

Oddný Sverrisdóttr, Reykjavík (pages 108-124)

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Durch die Jahrhunderte sind Reisende aus dem deutschen Sprachraum nach Island gereist um die Naturphänomene der Insel zu erleben und darüber zu berichten. In diesem Artikel werden drei Gäste, die in 19. und 20. Jahrhundert nach Island reisten, vorgestellt. Es handelt sich um die österreichische Globetrotterin Ida Pfeiffer, die Berlinerin Ina vom Grumbkow, deren Verlobter auf einer Expedition am Askja-Kratersee verschollen ist, und den Professor und Märchensammler Konrad Maurer aus München. Anhand der Reisebeichte – Pfeiffers Nordlandfahrt, Maurers Reise nach Island und Grumbkows Ísafold Reisebilder aus Island – wird festgestellt wie fremd die Lebensverhältnisse und der harte Lebenskampf der Isländer in den Augen der deutschsprachigen Gäste waren. Beispiele dafür, was den Gästen angenehm bzw. unangenehm auffiel, sei es fehlende Sauberkeit, Trägheit der Isländer, Armut oder die isländische Ehrlichkeit, werden gegeben. Die Reiseberichte erhalten wertvolle Informationen über das Alltagsleben in Island und darüber, wie sich das von den Lebensverhältnissen in Mitteleuropa unterschied.
Over the centuries, explorers and visitors from German-speaking lands have travelled to Iceland to experience the island’s natural phenomena and report on their experiences. This article focuses on three visitors who visited Iceland in the 19th and 20th centuries: the Austrian travel writer and globetrotter Ida Pfeiffer, the Berliner Ina von Grumbkow, who lost her fiancé on an expedition to the crater lake Askja, and the professor and fairy-tale collector Konrad Maurer from Munich. The accounts in Pfeiffer’s Nordlandfahrt, Grumbkow’s Ísafold. Reisebilder aus Island and Maurer’s Reise nach Island show how hard and sometimes strange life in Iceland was in the eyes of foreign visitors. Many of their observations concerning the Icelandic people are common to such travel reports, for instance the lack of cleanliness, lethargy, poverty and Icelandic bluntness. These travel reports provide valuable insight into the difference between life in Iceland and in Central Europe at the

Übersetzung in die Gegenwart? Michael Petzolds filmische Adaption von Anna Seghers Roman „Transit“

Withold Bonner, Tampere (pages 125-141)

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Transit von Anna Seghers behandelt die kafkaeske Situation von Flüchtlingen vor dem Naziregime im unbesetzten Süden Frankreichs. Es handelt sich insofern um einen typischen Seghers-Roman, dass dessen Ich-Erzähler zeigt, wie sich Geschichte wiederholt. Seit der Antike flüchten sich Verfolgte stets aufs Neue in den Hafen von Marseille. Die Wiederholung öffnet den Roman für Aktualisierungen, wie es unlängst Christian Petzold mit seiner Adaption von Transit für das Kino gezeigt hat.
Gleichzeitig weist der Roman Momente auf, die sich einer Aktualisierung widersetzen. Der männliche Protagonist bewundert Heinz, einen Kommunisten und Veteranen des Spanischen Bürgerkriegs. Es ist seinem Einfluss geschuldet, dass der Protagonist in Marseille bleibt und seine neue Heimat in der französischen Résistance findet.
Dieser Beitrag untersucht, wie Petzold das historische Kontinuum von der Flucht vor dem Naziregime bis hin zu den aktuellen Fluchtbewegungen aus dem Irak und Syrien aufzuzeigen versucht. Weiterhin wird gezeigt, wie sich der Film mit der politischen Orientierung der Protagonisten des Romans befasst, die der Aktualisierung Widerstand leistet. Schließlich analysiert der Beitrag, auf welche Weise der Film auf die Suche nach Heimat und das Leitmotiv des Nicht-im-Stich-Lassens Bezug nimmt, wie es im Roman entfaltet wird.
Transit, the famous novel by Anna Seghers on the Kafkaesque situation of refugees from the Nazi regime in the unoccupied southern France, is a typical Seghers novel insofar as her first-person narrator shows how history repeats itself: From the time of antiquity refugees have arrived over and over again in the harbor of Marseille. This reiteration opens the novel up for actualization, as is executed in Christian Petzold’s recent adaptation of Transit for the cinema.
Simultaneously, the novel contains elements resisting attempts at actualization. The male protagonist admires Heinz, a veteran of the Spanish Civil War, portrayed as a Communist. It is under his influence that the protagonist will stay in Marseille and find his new home within the French resistance.
This article discusses the measures taken by Petzold in his attempt to show the historical continuum from the flight of those faced with the Nazi regime to the recent exodus from Iraq and Syria. The article also examines how the film deals with the political orientation of the novel’s protagonists that offer resistance to its actualization, and finally, it explores the way in which the film deals with the novel’s quest

Das transkulturelle herrnhutische Schrifttum als Bestandteil des Medienwandels im lettischen Livland

Beata Paškevica, Nationalbibliothek Lettlands, Riga (pages 142-151)

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Die Nationalbibliothek Lettlands bewahrt mehr als 500 herrnhutische Handschriften aus Livland in lettischer und deutscher Sprache, die infolge der missionarischen Tätigkeit der herrnhutischen Brüdergemeine im 18. und im 19. Jahrhundert entstanden sind. Die Kontextualisierungsarbeit der Manuskripte führte die Autorin zu der Erkenntnis, dass die Wirkung der herrnhutischen Missionare auf die indigene Bevölkerung Livlands (Letten und Esten) als ein transkultureller Vorgang analysiert werden kann, wenn man das Hauptziel dieser missionarischen Tätigkeit in der Heranführung des Gottesreichs sieht, ganz gleich, an welchem Ort des Planeten diese Missionierung erfolgt ist. Die in diesem Sinne geführte Missionsarbeit im lettischen Livland hat maßgeblich zur Förderung der Bildung der vorwiegend als Bauern im Abhängigkeitsverhältnis zum Gutsbesitzer stehenden lettischen Bevölkerung beigetragen. Die in den herrnhutisch beeinflussten Gebieten entstandene soziale Emanzipation hat eine wesentliche Rolle beim Entstehen auch eines nationalen Zusammengehörigkeitsgefühls gespielt und dadurch einen Beitrag zur Identitätsformung geleistet. Die sogenannten herrnhutischen Nationalarbeiter und -arbeiterinnen haben das Lesen und Schreiben erlernt, damit sie ihre Lebensläufe, Lieder, Erbauungsliteratur und andere Texte abschreiben und auch neu verfassen könnten. Die Zugehörigkeit zur herrnhutischen Gemeinde konnte als ein sozialer Aufstieg genutzt werden, was zur Bildung einer eigenen indigenen „Literaten-“ und Unternehmer-Schicht führte.
The National Library of Latvia holds more than 500 Herrnhutian manuscripts from Livonia in Latvian and German, which stemmed from the missionary activity of the Herrnhutian Brotherhood in the 18th and 19th centuries. The contextualization work of the respective manuscripts led the author to the conclusion that the Herrnhutian missionary work on the indigenous population of Livonia (Latvians and Estonians) could indeed be described as a transcultural process, especially when the main goal of the missionary activity is to be seen in the preparation of the Kingdom of God, no matter where on the planet this missionary work is being done. In this sense the work carried out played a crucial role in promoting the education of the predominantly Latvian farmers who were dependent on the landowners. In the regions which were influenced by Herrnhutians, social emancipation played an important role in the emergence of a national sense of belonging and thereby contributing to the formation of identity. The so-called Herrnhutian national workers acquired reading and writing skills so they were able to copy or write down their biographies, songs, devotional literature and other texts. The affiliation to the Herrnhutian community could be used as social emancipation thus leading to the formation of an own indigenous “literate” and entrepreneurial class.

Der litauische Diskurs über die deutsche Sprache und seine Auswirkungen auf die Sprachlernmotivation

Rūta Eidukevičienė & Greta Garnytė, Vytautas-Magnus-Universität, Kaunas (pages 152-184)

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Der Beitrag setzt sich zum Ziel, den litauischen Diskurs über die deutsche Sprache und seine Auswirkungen auf die Sprachlernmotivation zu analysieren. Den konkreten Untersuchungsgegenstand bilden 82 Artikel eines überregionalen und eines regionalen Nachrichtenportals (delfi.lt und kaunodiena.lt) im Zeitraum vom 1.1.2017 bis zum 31.12.2019. In Anlehnung an etablierte Sprachlernmotivationstheorien und an die Kritische Diskursanalyse wird erläutert, mit welchen Strategien für das Lernen bzw. Nicht-Lernen der Fremdsprache Deutsch in Litauen argumentiert wird und in welchen Lebensbereichen Deutschkenntnisse als unentbehrlich bzw. nützlich angesehen werden. Die Analyse der gewählten Nachrichtenportale bestätigt, dass sich hinsichtlich der Relevanz der deutschen Sprache ein zwiespältiges Bild ergibt: Einerseits wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Deutsch in Litauen wenig populär sei, andererseits wird betont, dass Deutschland ein begehrtes Zielland für qualifizierte litauische Fachleute und Studierende darstelle. Bei der Argumentation, warum Deutsch als Fremdsprache gelernt werden sollte, lassen sich einige dominierende Muster erkennen: Deutschkenntnisse seien ein notwendiger Schlüssel zum Studium, Arbeiten und Leben in Deutschland, zugleich auch eine wichtige Kompetenz im politischen Bereich und ein Mittel zur Verbreitung der litauischen Kultur im Ausland.
The article aims to analyze the attitudes to language learning, particularly to German language, in the Lithuanian public discourse. Texts on this topic chosen for the analysis appeared in two news portals – the national news portal delfi.lt and the regional news portal kaunodiena.lt. The database covers the period from 1 January 2017 to 31 December 2019; it consists of 82 articles from both news portals. For studying the image of German, the paper applies the framework of Language Learning Motivation Studies and Critical Discourse Analysis taking into account different argumentation strategies regarding learning or not learning German as a foreign language. As for the status of German, the texts analyzed reveal an ambiguous picture: on the one hand, German is claimed to be not popular in Lithuania, while on the other it is emphasized that Germany remains an important target country for high-quality Lithuanian experts and students. The argumentation for learning German includes several important reasons: German is represented as a commodity in such domains as studies and professional career; it is indispensable in inter-national politics, for upholding cultural relations and while residing in Germany.

Mehrsprachigkeit und Multikulturalität in Comics als Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels

Annikki Liimatainen, Universität Tampere (pages 185-217)

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In diesem Beitrag werden die Multikulturalität und die Mehrsprachigkeit in Comics untersucht. Unter Mehrsprachigkeit versteht man die Verwendung von zwei oder mehr Sprachen in demselben Text. Das Gesamtkorpus für diesen Beitrag besteht aus für unterschiedliche Zielgruppen publizierten älteren wie auch neueren Comics. Anhand einer Belegsammlung von ursprünglich deutschen und finnischen wie auch ins Deutsche und ins Finnische übersetzten Comics soll gezeigt werden, welche Änderungen im Gebrauch von Wortgut aus anderen Sprachen im Laufe der Zeit festgestellt werden können, welche Funktionen die Mehrsprachigkeit in Comics hat, welches die sprachlichen Variationen und Kombinationen sind, die in Comics vorkommen, und was passiert, wenn diese ins Deutsche oder ins Finnische übersetzt werden. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht darüber hinaus die Frage, wie die Mehrsprachigkeit der Ausgangskultur so übersetzt werden kann, dass die Mehrstimmigkeit beim Übersetzen nicht verloren geht, so dass man auch in der Zielkultur die Bedeutung der sprachlichen Variationen ähnlich verstehen kann wie in der Ausgangskultur.
The aim of this paper is to analyse and discuss the role of multiculturalism and multilingualism in comics. A concrete representation of multilingualism is code-switching, or the co-presence of two or more languages within the same context. The analysis is based on a selection of comics from the 1980s to the 2020s and includes both comics which are originally Finnish and German and translations of comics from other languages and cultures into Finnish and German. The first objective of this study is to reveal the techniques used by the comic authors to incorporate code-switching into the comics, and how the use of multilingualism has changed over time. The second aim is to analyse strategies used in translating as well as to examine what exactly happens to multilingualism in translation. Thirdly, attention will be drawn to the functions that multilingualism fulfils in comics. The fourth aim of the paper is to answer the question of how multilingualism in one culture can be translated so that the reader in the target culture is able to understand not only the text but also the meanings of language alternation.

Worauf kommt es im Fremdsprachenunterricht an? Hinweise aus der Untersuchung zu Sprachlerneinstellungen und -motivation finnischer Fremdsprachenlernender

Anta Kursiša, Stockholm/Helsinki (pages 218-241)

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Der Beitrag sucht nach Antworten auf die im Beitragstitel gestellte Frage, indem die Ergebnisse einer Befragung von Fremdsprachenlernenden ausgewertet und diskutiert werden. Befragungsteilnehmende waren Studierende der Universität Helsinki, die gerade mit dem Lernen des Deutschen am Sprachenzentrum der Universität angefangen hatten. Sie beantworteten Fragen zu ihren Fremdsprachenlernerfahrungen, die sie beim Erlernen von drei bis neun Sprachen gesammelt haben. Ergebnisse aus einer früheren Studie zu dieser Befragung werden aufgegriffen, um die neuesten Entwicklungen im Bereich Fremdsprachenlehren und -lernen an finnischen Schulen zu kommentieren. Darüber hinaus werden die Quellen für Sprachlernmotivation aus der Sicht der Lernenden ermittelt. Die Daten zeigen, dass das Selbstbild der Lernenden bedeutend ist, aber auch vom Unterrichtsgeschehen beeinflusst wird. Eine besondere Einflussgröße scheint dabei das Lehrverhalten zu sein. Dies wirft die Frage auf, inwieweit fachdidaktisch-methodische Anteile in der Fremdsprachenlehrerausbildung aufgewertet werden sollten.
The article looks for answers to the question asked in the title of the article by evaluating and discussing the results of a survey on foreign language learning experience. Respondents in the survey were students from the University of Helsinki who had just begun learning German at the university's language center. They answered questions about the foreign language learning experience they had gained in learning between three and nine languages. Findings from an earlier study on this survey are used to comment on the latest developments in foreign language teaching and learning in Finnish schools. In addition, the sources for language learning motivation from the learners’ perspective are identified. The data shows that the learner's self-perception is important and that learning motivation is also influenced by their learning environment. Teaching approaches seem to be a particular influencing factor. Thus, the results raise the question of the extent to which foreign language didactics and methodology as a component of language teacher training should be upgraded.

Das Finnisch-Deutsche Wirtschaftswörterbuch im Wandel der Zeit: von den 1980er Jahren bis heute

Liisa Tiittula, Helsinki (pages 242-253)

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Der Beitrag beschäftigt sich mit der Entwicklung des Wörterbuches für Wirtschaft im Sprachenpaar Finnisch und Deutsch von einem unidirektionalen Printbuch zu einem bidirektionalen Online-Wörterbuch. Zielgruppe des Wörterbuchs sind im deutsch-finnischen Handel tätige Personen sowie DeutschlernerInnen im Bereich Handel und Wirtschaft, aus welchem Grund Beispielsätze, Grammatik und Stil neben Terminologie von wichtiger Bedeutung sind. Das Wörterbuch erschien erstmals im Jahre 1983 in Richtung Finnisch-Deutsch und wurde in den 2000er Jahren in ein digitales, beide Sprachrichtungen umfassendes Lexikon erweitert. Im Laufe der Zeit wurde es auch gründlich bearbeitet und aktualisiert. In diesem Beitrag werden qualitative und quantitative Änderungen von den 1980er Jahren bis heute mit Beispielen dargestellt und gezeigt wie gesellschaftliche Veränderungen sowie der Übergang von der manuellen Wörterbucharbeit zur computergestützten Lexikografie den Inhalt beeinflusst haben.
This article deals with the development of a Finnish-German business dictionary from a unidirectional printed book to a bidirectional online dictionary. The target users are people working in German-Finnish trade as well as at those learning German as a foreign language in the field of business and economics, which means that, in addition to terminology, example sentences, grammar and style play an important role. The dictionary appeared for the first time in 1983 for one direction (from Finnish to German), and in the 2000s it was expanded into an online dictionary containing both language directions. During this time, it has been thoroughly updated. The article discusses qualitative and quantitative changes in the dictionary from the 1980s to the present day and presents examples of how societal changes as well as the transition from manual dictionary work to computer-aided lexicography have affected the content.

Vorlesungen verstehen – Einblicke in ein Projekt zur gesprochenen Wissenschaftssprache in studienbegleitenden DaF-Kursen

Martin Wichmann, Ruhr-Universitat Bochum (pages 254-277)

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Die zunehmende Internationalisierung deutscher Hochschulen erfordert die Entwicklung passgenauer Konzepte für die sprachliche Begleitung internationaler Studierender im Studium. Auf Grund des signifikant geringeren Studienerfolgs dieser Zielgruppe gewinnt diese Aufgabe noch an Bedeutung. Das Verstehen von Vorlesungen stellt vor allem im Bereich des Hörverstehens komplexe Anforderungen an die Lerner. Erst seit einigen Jahren liegen Lehrmaterialien vor, die diesen Lernbereich in den Blick nehmen. Diese reichen jedoch nur begrenzt an authentische Kommunikation im Studium heran, so dass die Entwicklung neuer Konzepte und Materialien notwendig ist. Das Projekt zielt auf eine systematische Nutzung von Audiodaten aus der Lehre ab. Hierzu werden erste Überlegungen vorgestellt und die einzelnen Teilschritte des Projekts (Korpusaufbau, Transkription und Datenanalyse, digitale Aufbereitung und Bearbeitung der Audiodaten sowie Didaktisierung) beschrieben. Der entwickelte Kursplan ist durch die systematische Verknüpfung von Strategievermittlung und Beschäftigung mit sprachlichen Handlungen und Strukturen, wie z. B. Reformulieren von Beiträgen der Studierenden und Einüben von Eristik, gekennzeichnet.
The increasing importance of internationalization at German universities requires developing compatible concepts for the specific needs of international students during their studies. Because of international students’ significantly lower success in receiving a degree in a timely fashion this task has become even more meaningful in the past years. Understanding lectures is a complex activity situated mainly in the field of listening comprehension. Teaching materials focusing on that topic have been only available for a couple of years, but these do not adequately touch on authentic communication in academic contexts. Therefore the development of new concepts and materials is necessary. The project aims at the systematic use of audio-data from real teaching situations. First ideas are presented and the individual steps of the project (collecting corpus data, transcription and data-analysis, digital preparation and editing as well as development of teaching material) are described. The combination of teaching strategies (of listening comprehension) and exercising language acts and structures, such as reformulating students’ utterances or practicing of eristic structures) is a central characteristic of the course program presented here.

Mer muss och jönne könne! Selbst- und Fremdpositionierungen in transkulturellen Arbeitszusammenhängen

Ewald Reuter, Tampere/Wolgograd (pages 278-331)

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Am Beispiel meines eigenen intellektuellen und beruflichen Werdegangs rekonstruiere ich in diesem Beitrag jene lebensweltlichen Strömungen und wissenschaftlichen Paradigmen, die zur Gründung des akademischen Faches „Deutsch als Fremdsprache“ und zur zunehmenden Beachtung der „Nutzerorientierung“ in der internationalen Germanistik führten. Nach einer einführenden Definition der Spezifika der Gattung Abschiedsvorlesung (1) werden folgende historische Knotenpunkte angesprochen: Köln und der Rest der Welt (2), Nie wieder Krieg!, das Bildungsmuster der Nachkriegszeit (3), der demokratische Bildungsbegriff (4), Berufsorientierung: DaF-Lehrer im Ausland (5), Warum Finnland? (6), Berufsthema: Mehrsprachige Arbeitskommunikation (7), nordische Frauen (8), die Ökonomisierung von Forschung und Lehre (9), meine letzte SWOT-Analyse (10), und Lob der internationalen akademischen Solidarität (11).
Taking my own intellectual and occupational biography as an example, this article reconstructs the streams of the lifeworld and scientific paradigms, that led to the establishment of “German as a foreign language” as a university subject in its own right, as well as to the growing consideration of “user orientation” in international German studies. After introducing the general features of the genre last lecture or farewell lecture (1), the following historical crossroads will be elaborated upon: Cologne and the rest of the world (2), Never again war!, postwar educational patterns (3), educating for democracy (4), occupational aspiration: teaching “German as a foreign language” abroad (5), why Finland? (6), the main occupational topic: multilingual workplace communication (7), Nordic women (8), the economization of teaching and research (9), my last SWOT-analysis (10), and praise of international academic solidarity.

TEACHING METHODOLOGY

„Sah ein Mädchen ein Röslein stehen …“ Intertextualität in der Rocklyrik, Vorsingen als Leistungsnachweis

Dieter Hermann Schmitz, Tampere (pages 332-351)

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Die moderne Hochschuldidaktik fordert seit Jahren eine Diversifizierung von Unterrichtssettings und denkbaren Leistungsnachweisen, um unterschiedliche Lernertypen anzusprechen. Zugleich sind Lehrende gefordert, aktuelle, gegenwarts- und praxisbezogene, lernattraktive und -motivierende Unterrichtsangebote zu machen. Der vorliegende Beitrag beschreibt Rahmenbedingungen und Durchführung eines Master-Kurses der Studienrichtung Deutsch an der Universität Tampere, in dem es thematisch um Intertextualität in der Rocklyrik der Band Rammstein ging. Der Kurs schloss nicht mit einer Prüfung oder einer schriftlichen Ausarbeitung, sondern mit öffentlichen Vorträgen seitens der Studierenden für ein allgemeines, nicht-universitäres Publikum als alternativem Leistungsnachweis ab. Für eine umfassende Auswertung wurden die Vorträge in Bild und Ton aufgezeichnet, alle Unterlagen und Materialien gesammelt, Beobachtungen notiert, Rückmeldungen von Besuchern und Beteiligten zeitnah eingeholt. Das Präsentieren – hier also: das öffentliche Sprechen zu einem anspruchsvollen Thema, als Gruppe vor echtem Publikum und unter Verwendung einer Fremdsprache – erfordert und fördert selbstverständlich andere Fertigkeiten und Kenntnisse als beispielsweise eine Klausur. Die Fallstudie legt nahe, dass das Lernziel des Präsentierens von den Studierenden zwar als stressbehaftet und arbeitsaufwändig empfunden wird, zugleich aber auch als enorm leistungssteigernd und motivierend.
For years, university didactics has required a diversification of teaching and assessment methods in order to address different types of learners. At the same time, teachers are called on to offer contemporary, practice-oriented, attractive and motivational teaching. The present article describes the framework and implementation of a MA course in German at the University of Tampere, the theme of which was intertextuality in the lyrics of the rock band Rammstein. As a final assessment, students were asked to give a public lecture to a general, non-academic audience instead of writing a paper. A comprehensive evaluation of each lecture involved both audio and video recordings of the lecture, all documents and materials, student reflections, and feedback from visitors and participants. Presenting – in this case speaking in public on a demanding topic, as a group in front of a real audience and using a foreign language – naturally requires and promotes different skills and knowledge than, for example, a written exam. The case study suggests that presentations as a learning method are perceived by students as stressful and labour-intensive, but at the same time as enormously motivating and beneficial to learning.

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