“Neuanglodeutsch” Zur vermeintlichen Bedrohung des Deutschen durch das Englische

Peter Hohenhaus (Bradford) p.57-87

2001 Issue 1

Abstract

Vor kurzem sind die Wellen einer über die letzten Jahre zunehmenden Sprachdiskussion in Deutschland besonders hoch geschlagen. Gefährdet die “Flut” von Anglizismen das Deutsche? Braucht es gar den Schutz durch ein Sprachgesetz? Dieser Artikel versucht zu zeigen, dass die Panik weitgehend unberechtigt ist. Ausgehend von einer näheren Betrachtung der Phänomene, die in einer der einflussreichsten Arbeiten der letzten Zeit auf diesem Gebiet, Zimmer (1997), eingehend diskutiert werden, wird gezeigt, dass nicht zutrifft, dass der “Tiefencode” des Deutschen in Gefahr wäre, durch den Einfluss des Englischen erodiert zu werden. Die wenigen grammatischen Integrationsprobleme bestehen auch ohne diesen Einfluss schon und richten keinen nennenswerten Schaden an. Ein Großteil der kritisierten Phänomene betrifft ohnehin nur das Sekundär-System der Schrift und/oder kaum für die Allgemeinsprache repräsentative Spezial-Register. Ansonsten sind zwar außer der tatsächlich häufigen direkten Entlehnung aus dem Englischen auch gewisse Bedeutungsverschiebungen im Lexikon des Deutschen zu verzeichnen. Insgesamt hält sich der Sprachwandel jedoch vergleichsweise in Grenzen. Und vor allem: Das Sprachsystem ist nach wie vor stabil, lebendig und weit davon entfernt zu einem Pidgin bzw. zu einer völlig anderen Sprache zu werden. Insofern ist entgegen den verbreiteten Sorgen momentan und für die überschaubare Zukunft keine Gefahr für den Fortbestand des Deutschen auszumachen.