doi.org/10.82062/GFL.2025/03.01
Klaus Geyer (Odense), 1-24
2025 Issue 3
Abstract
Der Beitrag untersucht, wie sprachliche Äußerungen – hier: geschriebene Texte – in einer genetisch verwandten und kontaktlinguistisch nahen Sprache leichter verstanden werden können. Dabei wird auf Ähnlichkeitsbeziehungen zwischen der eigenen L1 und weiteren Sprachen im persönlichen Repertoire zurückgegriffen. Der Fokus liegt auf der Interkomprehension zwischen Dänisch und Deutsch. Solches Verstehen wird beispielsweise im nordeuropäischen Kontext für die drei festlandskandinavischen Sprachen Dänisch, Schwedisch und Norwegisch mithilfe des eng verwandten Konzepts der Semikommunikation analysiert (vgl. hierzu z. B. Geyer 2020). Dort ist allerdings von weit größeren Ähnlichkeiten auszugehen als dies bei der Interkomprehension der Fall sein muss. Interkomprehension ist beispielhaft im Projekt EuroCom für die großen indoeuropäischen Sprachfamilien (Romanisch, germanisch, Slavisch) untersucht worden.
Interkomprehension erfordert explizite Lernstrategien wie die der „Sieben Siebe“ (Hufeisen & Marx 2014; für die germanischen Sprachen), gern in Verbindung mit Neugier und Entdeckungsfreude. Diese Strategien ermöglichen es, Vermutungen über Struktur und Bedeutung fremdsprachlicher Äußerungen zu formulieren. Anhand eines Beispiels wird dies im Detail erläutert, nicht jedoch, ohne zuvor die Situation des Deutschen im dänischen Bildungssystem skizziert zu haben. Es zeigt sich, dass die „Sieben Siebe“ der Interkomprehension wesentlich dazu beitragen könnten, die schwierige Lehr-Lernsituation zu verbessern.