Mehr als eine Investition: Heterogene Motivationsprofile im B2-Berufssprachkurs – Eine Mehrfallstudie zu erwachsenen Migrant:innen in Deutschland

Stefan Maier (Universität Leipzig), 53-83

2026 Issue 2

Abstract

Der Berufssprachkurs (BSK) ist ein zentrales DaZ-Angebot für Erwachsene in Deutschland, doch die L2-Motivation seiner Teilnehmenden bleibt weitgehend unerforscht. Eine bisherige Studie reduzierte sie vorrangig auf ökonomische Funktionalität (Baderschneider et al. 2023), was der Komplexität des BSK nicht gerecht wird. Für die aktuelle Mehrfallstudie wurden 15 Lernende mittels eines qualitativen Stichprobenplans in zwei B2-BSK rekrutiert und in sprachlernbiografischen Interviews zur Entwicklung ihrer Motivation über den Lebenslauf hinweg befragt (Riemer 2022). Die Daten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet (Kuckartz & Rädiker 2024) und theoretisch mit der Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan 1985; Noels 2023) sowie dem personen- und kontextbezogenen Zugang (Ushioda 2009) verknüpft. Die Motivation zeigte sich als hochindividuell, biografisch verwurzelt und dynamisch aushandlungsfähig. Sie reichte von Amotivation bis zu intrinsischer Motivation und wurde maßgeblich von identitätsbezogenen Zielen, Kompetenzerleben und sozialen Bezügen geprägt – nicht primär von arbeitsmarktorientierten Kalkülen. Zwei kontrastive Fallpaare vertiefen diese Heterogenität exemplarisch. Die Studie liefert ein komplementäres Analyseraster, das zur Fundierung der BSK-Forschung beiträgt. Sie unterstreicht die Notwendigkeit kontextsensibler Unterrichtsgestaltung und einer sprachpolitischen Perspektive, die persönliche Entwicklung und soziale Teilhabe stärker berücksichtigt.